Der Mensch ist nicht gemacht für so viel Freizeit. Vor lauter Wellness brennt er aus. In früheren Zeiten waren die Menschen – und ich meine nicht nur die Bauern – damit beschäftigt, ihre Unterkunft, ihre Nahrung, ihre sozialen Kontakte u.s.w. zu erarbeiten, zu sichern, instandzuhalten, zuzubereiten, zu pflegen. Man mache einmal diesen Test: Man bereite sich jede Mahlzeit selbst zu. Man esse keine aufgeblasene Pappe* mehr zwischen Tür und Angel. Allein wie viel Abwasch da zu erledigen ist, genügt schon, um zu Gedanken zu kommen. Probehandeln.
Bei zu viel Muße driften die menschlichen Gedanken hinab statt hinauf, vielleicht in eine unschöne Vergangenheit oder in eine ungewisse Zukunft. Man wasche seine Wäsche mit der Hand und siehe, wie viel Dreck sich da löst in der Schüssel. Man spüle jedes einzelne Stück gründlich und merke, ob man es denn wirklich braucht oder ob es nur ein Stück Vergangenheit ist, sinn- und zwecklos geworden. Man verschenke den gesamten Maschinenpark, wische den Boden mittels Lappen und Eimer. Man schrubbe auch alle Türrahmen mit einer Bürste ab. Übertünchen ist da nicht mehr notwendig. Man nehme jedes Buch in die Hand und befrage sich, ob es nicht ein anderer besser gebrauchen könnte. Erholung.
Man werfe jeden Gegenstand, den man nicht mehr braucht, einfach weg. Man gehe zu Fuß; man kann auch unterwegs ein Eis essen. Alles ist nicht mehr so schlimm und Sport ist sowieso überflüssig. Drei Euro reichen aus. Absurd wird das Gejammer der Geplagten, befremdlich die Gier der Beleidigten, lächerlich die bepackten Autodächer der Freizeitler.
* belegtes Brötchen
© Silka Teichert
2015