Flaschengrün ist er, der Rock. In einer Septembernacht von schwarz nicht zu unterscheiden. Denn es handelt sich nicht um das künstliche Grün moderner Bierflaschen, sondern um die Tiefe eines Tannenwaldes in der Abenddämmerung. Das Grün alter formschöner Flaschen mit Schnappverschluss.
Er sitzt verhältnismäßig auf Taille und Hüfte. Die Nähte sind aus glänzendem Garn in dunklem Fliederton. Innen ist er englischrot mit Seide ausgefüttert, stammt aber – man braucht es kaum erwähnen – aus Italien.
Kabauz.
Vorn ist der Rock mittels eines Reißverschlusses von unten nach oben zu öffnen. Dies erweist sich als praktisch, will man sich aus engem Saum befreien, um sich aus einem Getränkeunfall zu manövrieren und aufrechte Haltung wiederherzustellen.
Elise schnauzt Peter an. Noch während der Bodengymnastik auf dem Pflaster beharrt sie darauf: Sie will nicht mitmischen beim Kleinstadtturnen, bei dem durchgemischt wird und Vermischung unerwünscht zu sein scheint.
Trotzdem gibt es manchmal Verständigungsprobleme.
„Du kannst doch nicht deinen Rock aufmachen und mich dann wegschicken“, äußert Peter seinen Unmut, bevor er zur Quelle zurückkehrt.
Jetzt soll hier bloß nicht irgend so ein Arschloch daherkommen.
Der Rock ist im Orkus. Sie war zu hektisch vorgegangen. Das hat dem Reißverschluss geschadet.
Peter macht seinen Stiefel weiter. In der Sippschaft muss es bleiben, ob blond oder braun.
Elise verschafft sich Beinfreiheit.
Der schöne Fremde, das Arschloch (siehe oben), ward nicht wieder gesehen.
© Silka Teichert
2014