Was Menschen nicht mögen

Was Menschen mögen, weiß ich nicht. Veränderungen gehören jedenfalls nicht dazu.
Die Dünne sagt: „Du bist abgemagert.“
Der Zausel sagt: „Das macht alt.“
Die Schwankende sagt: „Du sahst schlecht aus, aber es kann auch am Alkohol gelegen haben.“
Die induktiven Beweise habe mich einst fasziniert. Spaß gemacht haben sie. Nun gibt es immer mal wieder Gelegenheiten, da man sich nur erinnern muss, eins plus eins ausrechnen zu können. Das sagt eine Mathe-Olympiade-Siegerin.
Zahlen können sich benehmen.
Eine Schuldirektorin subtrahierte: „Schämen muss man sich. Wie sie da zur Siegerehrung vor gelatscht ist. Grauenhaft sah das aus. Breitbeinig wie ein Cowboy. Man hätte ja auch was Vernünftiges sich anziehen können und wie ein normaler Mensch auftreten. Denk bloß nicht, dass das jetzt irgendein Erfolg ist. Darauf braucht man sich gar nichts einzubilden. Im Gegenteil. Unsere Schule schickt so was nicht noch einmal irgendwohin. Darauf kannst du Gift nehmen.“
Menschen mögen vielleicht Cowboys nicht. Es kann auch sein, dass eine gewisse Direktorin schon gestorben ist.
Und überhaupt gehörte alles umgeschrieben. Mathematik kommt von Lernen, also genau umgekehrt. Das ist so unbequem wie die Bedeutungen zu hinterfragen. Gift nehmen ist nicht die Lösung. Introjektbündel sind keine guten Rechner bei der Herleitung der Tat.


© Silka Teichert
2015